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Online Unterricht mit IT-Auszubildenden

An meiner Schule findet seit Ende April ausschließlich digitaler Unterricht statt. Die Ausstattung der Schüler:innen in Form von BYOD (Bring-Your-Own-Device) im Unterricht spielt nun die volle Stärke aus. Der IT- und der Medien-Teilzeitbereich sowie der Vollzeitbereich laufen seit mindestens einem Schuljahr (der IT-Bereich deutlich länger) in diesem System. BYOD hat große Stärken gegenüber einer Schulausstattung, wie man sie aus „Computerräumen“ kennt: Einerseits kennen die Schüler:innen ihr Endgerät, sind dafür verantwortlich und halten die von ihnen genutzte Software aktuell. Andererseits kann sich die Schule auf die Ausstattung des Netzwerkes im Gebäude, auf die Softwareausstattung für den Unterricht und das individualisierte Lernen sowie auf Leih-Notebooks für Schüler:innen mit technischen oder finanziellen Problemen konzentrieren. Auch das Kollegium wird durch die Schule mit digitalen Endgeräten und Software versorgt.

Durch die Aussetzung des Präsenzunterrichtes an den Schulen Mitte März und die Verlegung des Lernens in das sogenannte Homeschooling-Konzept ergaben sich einige organisatorische Herausforderungen, die aber durch das Kollegium (z.T. mit großem Arbeitsaufwand) aufgefangen wurden. Seit Ende April findet nun – geplant bis zu den Sommerferien – der Unterricht rein digital statt. Lehrer:innen sind im Homeoffice und unterrichten die Schüler:innen auf verschiedene Art und Weise. Je nach technischer Mediennutzung der Lehrkräfte, je nach Lerngruppe und Unterrichtsinhalt ist die Ausprägung des digitalen Unterrichts unterschiedlich. Es bewähren sich für verschiedene Fälle Videokonferenzen, die das Geschehen, welches unter anderen Umständen in der Schule stattgefunden hätte, nun online realisieren.

Für meinen Unterricht bedeutet dies, dass die Klasse sich zu Beginn einer Unterrichtsstunde für die Einführung in die Handlungssituation gemeinsam in einer Besprechung trifft und wir einen gemeinsamen Einstieg in die Stunde vornehmen. Im Anschluss benenne ich Gruppenleiter, die sich an die Neigungsgruppen aus dem Präsenzunterricht anlehnen, um anschließend ähnliche Gruppengefüge einrichten zu können. Die Gruppenleiter eröffnen wiederum eigene Besprechungen, in die die Gruppenmitglieder folgen. In dem Abschnitt des Unterrichts können die Schüler:innen mich bei Fragen über die Funktion des Einladens eines Kontaktes zu einer Besprechung in diese hinein „ziehen“. In der Zeit, in der ich nicht in einzelnen Gruppen bin, stehe ich in der vorherigen Plenumsbesprechung für einzelne Anfragen zur Verfügung.

Zum Ende einer Gruppenarbeitsphase werden die Schüler:innen zum vorher vereinbarten Zeitpunkt mittels Push-Nachricht darüber informiert, dass die Besprechung der Aufgaben / Lösungen oder die Systematisierung wieder in der großen Runde stattfindet. Die Schüler:innen wechseln selbstständig wieder in die Plenumsbesprechung zurück.

Zu den ersten „Lessons-Learned“ meinerseits gehört, dass die Schüler:innen den Gruppenbesprechungen treffende Namen geben, damit eine bessere Übersicht gewährleistet ist. Außerdem hat es sich bewährt, dass die Namen der Gruppenleiter in den Plenums-Chat eingetragen werden, um dann eine schülergesteuerte Zuordnung der Gruppenmitglieder per „Thumbs Up“ an der Nachricht mit dem Namen vorzunehmen.

Alles in allem muss das Prozedere mit den Schüler:innen einmal in Ruhe durchlaufen werden, spätestens nach dem zweiten Mal – so zeigt meine Erfahrung – läuft der Unterrichtsrhythmus ohne Probleme. Das Vorgehen im Vergleich zum Präsenzunterricht besteht unverändert, durch die bisherige Nutzung des LMS Moodle, der BYOD etc. gibt es im Ablauf kaum Abweichungen zum vor-Corona-Plan. Lediglich die persönliche Interaktion gestaltet sich schwierig, das direkte Feedback aus einer Klasse fehlt. Außerdem musste ich feststellen, dass eine 90 Minuten Einheit, die im Präsenzunterricht schon schnell vergeht, nun noch mehr an Tempo zugenommen hat.